Codex Sanctorum Der Kodex der Heiligen
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Niklaus von Flüe

Bauer, Richter und Vater von zehn Kindern, zog er in eine Schlucht — und die Eidgenossenschaft kam dorthin, ihn zu befragen.

Porträt — Niklaus von Flüe
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Er war zuerst alles, was ein Mann in einem Obwaldner Tal sein kann: wohlhabender Bauer, Offizier im Zürichkrieg, Ehemann der Dorothea Wyss, Vater von zehn Kindern, Ratsherr des Landes, neun Jahre Richter seiner Gemeinde. Als Richter verabscheute er Verfahrensformen und drängte auf Vergleiche; man erzählt, eine Vision von Flammen aus dem Mund eines ungerechten Richters habe ihn das Amt niederlegen lassen. Im Oktober 1467 verließ er mit Zustimmung seiner Frau auch das Haus — das jüngste Kind war noch kein Jahr alt, das älteste zwanzig. Er brach zum Rhein auf, kehrte um und ließ sich in der Ranftschlucht nieder, wenige Minuten von daheim, wo er eine Kapelle von einem Priester versehen ließ, den er bezahlte, um täglich die Messe zu hören. Man befragte ihn von weit her: Erzherzog Sigismund sandte ihm einen vergoldeten Kelch, Mailand seine Gesandten, Bern und Solothurn ihre Dankschreiben. Im Dezember 1481 stand die Eidgenossenschaft an der Tagsatzung zu Stans vor dem Bruch; in der Nacht des 21. stieg der Pfarrer von Stans zu ihm hinauf und kam mit einem Rat zurück, dessen Inhalt nie jemand erfuhr. Die Boten traten erneut zusammen und einigten sich binnen zwei Stunden: der Bund wurde erneuert, Freiburg und Solothurn in die Eidgenossenschaft aufgenommen. Er starb am 21. März 1487 nach schwerem Todeskampf. Pius XII. sprach ihn 1947 heilig; er ist der Patron der Schweiz.

Erkennen

Hagerer bärtiger Greis im Einsiedlergewand, Stab in der Hand und ein Gebetsschnur mit fünfzig Körnern — das Bätti der alpinen Frömmigkeit, und nicht der Dominikanerrosenkranz, den das Jahrhundert sich damals ausbreiten sah. Bisweilen das Sachsler Meditationstuch mit dem sechsspeichigen Rad.

Quellen

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