Am Tag ihrer Hochzeit weigerte sie sich vor allen — dann griff sie zum Schwert und schnitt sich die Nase ab.
In einer vornehmen Familie Brabants geboren, wollte sie ins Kloster; ihr Vater verweigerte es und verabredete eine Ehe mit einem jungen Adligen namens Simon. Am Tag befragte der Priester Simon, der zustimmte; dann befragte er sie. Zuerst schwieg sie, man drängte sie, und sie weigerte sich vor der Versammlung — „Nein, ganz und gar nicht“ —, denn sie hatte sich seit ihrer Kindheit versprochen. Simon floh zu Pferde. Ihre Eltern suchten sie zornig; in die Kammer der Mutter geflüchtet, ergriff sie ein an der Wand hängendes Schwert und schnitt sich die Nase ab — nicht um den Vater zu beugen, sondern um alle Freier abzuschrecken, die ihre Schönheit nach Simon anziehen würde. Sie trat bei den Prämonstratenserinnen von Rivreulle ein, einer Dependance der Abtei Bonne-Espérance im Hennegau, und wurde trotz ihrer Jugend bald deren Priorin. Sie starb nach sechs Monaten eines Lungenleidens, an einem Ostersonntag, nach der Vesper, umgeben von ihren Schwestern und ihrem Abt — am 20. April 1158, was ihr Fest erklärt. Dieser Abt war Philipp von Harvengt, der mit Bernhard von Clairvaux einen brieflichen Streit führte; ihre Schwestern baten ihn, ihr Leben zu schreiben. Der Bericht von ihrem entstellten Gesicht kommt also von ihrem Oberen, der an ihrem Sterbebett stand.
Chorfrau im weißen Prämonstratenserhabit, das Gesicht gezeichnet oder verhüllt; bisweilen ein Schwert zu ihren Füßen.