Codex Sanctorum Der Kodex der Heiligen
🇩🇪 Deutsch

Ludolf von Ratzeburg

Er weigerte sich, eine Burg und Abgaben herzugeben, und starb an seiner Haft.

Porträt — Ludolf von Ratzeburg
Wikimedia Commons, domaine public

Als Prämonstratenserchorherr war er Kämmerer des Ratzeburger Kapitels, als man ihn 1236 zum Bischof wählte. Er behielt seine Regel unter der Mitra bei und legte sie seinen Chorherren auf, bestätigte im folgenden Jahr das Frauenkloster Rehna und lebte bescheiden. Sein Stuhl war reichsunmittelbar, und Friedrich II. hatte ihn eben darin bestätigt; Herzog Albrecht I. von Sachsen beanspruchte gleichwohl die Vogtei über das Land Boitin, die Burg Farchau und die Abgaben der Kirchenleute. Ludolf weigerte sich. Von 1247 an verschärfte sich der Streit: er wurde gefangen gesetzt und misshandelt — die Legende nennt sogar den Lübecker Ritter, der damit betraut war, einen gewissen Erikin de Nemore. Freigelassen und erschöpft, floh er zu Johann I. von Mecklenburg, der ihn im Franziskanerkloster zu Wismar unterbrachte. Dort starb er am 29. März 1250 an den Folgen der Haft: aus diesem Grund, und nicht wegen einer Hinrichtung, gilt er als Märtyrer für die Freiheit der Kirche. Sein Verfahren wurde 1340 eröffnet, und vor 1384 war er heiliggesprochen; am 12. April 1728 erkannte Benedikt XIII. seine Verehrung im Prämonstratenserorden an. 2021 brachte ein Metalldetektor im Klützer Winkel die bronzene Matrize seines Siegels ans Licht — das erste archäologisch geborgene Bischofssiegel Deutschlands.

Erkennen

Bischof im weißen Prämonstratensergewand, mit Mitra und Ketten; bisweilen einen Verwundeten heilend, dem ein Pfeil im Kopf steckt.

Quellen

Zurück zum Kodex